Erläuterungen der Berechnungsmethoden

Die Ermittlung der jeweiligen Orientierungswerte erfolgt anhand definierter Rechenvorgänge, denen bestimmte Annahmen zu Grunde liegen.

Bevölkerungsentwicklung

Die Daten entstammen der 4. regionalisierten Bevölkerungsprognose (mittlere Variante) des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2015.

Bildung

Kinderkrippen

Die Bedarfe werden gemäß der Altersklassifizierung des statischen Landesamtes für Kinder unter 3 Jahren angegeben. Nach einer Statistik über die „Kinderbetreuung regional 2015” werden in Rheinland-Pfalz 30,6 % der Kinder im Alter zwischen 0-3 Jahren in einer Kinderkrippe betreut. Die Betreuungsquote bei den Kleinkindern zwischen 0-1 Jahren liegt bei 1,7 % und zwischen 1-2 Jahren bei 20,3 %. Die Betreuungsquote für Kinder im Alter von 2-3 Jahren steigt deutlich auf 70,8 % an. Dabei ist in den letzten Jahren ein Trend zu einer höheren Betreuungsquote festzustellen, so dass durch die steigende Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen der Rückgang von Kleinkindern teilweise kompensiert werden kann. Die Gruppengröße von 10 Kindern ist in §4 der Landesverordnung zur Ausführung des Kindertagesstättengesetzes vom März 1998 geregelt.

Kindertagesstätten - Kindergärten

Die Bedarfe umfassen die Altersgruppe von 3 bis unter 6 Jahren, bzw. bis zu Einschulung. Nach §2 der Landesverordnung zur Ausführung des Kindertagesstättengesetzes soll die Gruppengröße zwischen 15 und 25 Kindern liegen. In den Berechnungsansatz wird eine maximale Gruppengröße von 25 Kindern eingestellt, d.h. für die Ermittlung des Bedarfsveränderungswertes - ausgedrückt in Anzahl von Gruppen - der geringste Wegfall oder die geringste Steigerung der Anzahl von Gruppen berechnet.

Grundschulen

Den Grundschulen werden Kinder im Alter zwischen 6-9 Jahre zugeordnet.

Seit 2011 verkleinert das Land RLP nach einem Stufenplan die Klassengrößen, um den Unterricht zu verbessern. Die max. Klassengröße wurde in den Grundschulen von 30 auf 24 Kindern verringert.

Weiterführende Schulen

Der Sekundarstufe I werden Kinder/Jugendliche im Alter zwischen 10 und 15 Jahre zugeordnet.

In der im Jahr 2009 eingeführten Realschule plus liegt die Klassengröße in der 5. Und 6. Jahrgangsstufe bei 25 Personen. In den anderen Klassenstufen und Schularten liegt die Klassenmesszahl (noch) bei 28 Personen. Die schrittweise Reduzierung der Klassenmesszahl auf 25 wurde zwar ausgesetzt, jedoch ist mittelfristig davon auszugehen, dass sich die Klassenmesszahl generell in Richtung 25 bewegen wird. In der Berechnung wird für Sekundarstufe I eine Klassenmesszahl von 25 eingestellt, die somit den größtmöglichen Wegfall an Klasseneinheiten angibt.

Arbeit

Aus dem Bereich Arbeit werden exemplarisch nur die Auswirkungen auf die Veränderung der Zahl von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen (am Wohnort) dargestellt. Die Zuordnung von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Wohnort erfolgt nach den Angaben des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber. Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen alle Personen, die Beiträge zur Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung zahlen oder für die diese Beiträge gezahlt werden. Diese Gruppe macht rund zwei Drittel der Erwerbstätigen insgesamt aus. In Rheinland-Pfalz gab es im Jahr 2016 knapp 2 Mio. Erwerbstätige, davon rund 1,35 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftige (67,5 %). Mehr als 90 % der Erwerbspersonen - dazu zählen Erwerbstätige und Personen, die erwerbslos sind, aber erwerbstätig werden wollen - sind im Alter zwischen 20 bis 65 Jahre, so dass vor allem Veränderungen dieser Altersgruppe sich wesentlich auf die Entwicklung des dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Erwerbspersonenpotenzials auswirkt. In allen Gebietskörperschaften, die in der Gesamtbilanz schrumpfen, ist der Verlust von Personen im erwerbstätigen Alter von 20 und 65 Jahren (Abgrenzung im engeren Sinne) höher als der Gesamtverlust, da der Anteil von Personen > 65 Jahren deutlich zunimmt. Nach der vierten regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des stat. Landesamtes wird die Zahl der Bevölkerung bis 2035 in RLP gegenüber dem Jahr 2013 um 153 Tsd. abnehmen (= -3,8%). Dieses Gesamtsaldo ergibt sich durch einen Verlust der Altersklasse bis 65 Jahre um 504 Tsd. (-15,9%) und gleichzeitig einer Erhöhung der Altersklasse > 65 Jahre um 351 Tsd. (+42,7%).

Diese Entwicklung wird gravierende Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt haben. Dabei wird der Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials in den Regionen sehr unterschiedlich verlaufen. Die stärksten Abnahmen sind in den Regionen Mittelrhein-Westerwald und Westpfalz zu erwarten (nähere Informationen: Statistisches Landesamt RLP: Statistische Analysen, Nr. 38/2016 - RLP 2060 - Erwerbspersonenvorausberechnung - Basis 2014).

Der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beträgt in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt rund 74% (Quelle: Statistisches Landesamt RLP, stat. Jahrbuch 2016, S. 393). Davon entfallen zwei Drittel auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, was einem Wert von 50 % entspricht.
Als Orientierungswert zur Ermittlung der Veränderung des Haupterwerbspersonenpotenzials sozialversicherungspflichtig beschäftigter Personen wurden rund 50% des Saldowertes der Altersklassenveränderung von 20 – 65 Jahre angenommen. Dieser Saldowert wird dem Arbeitsmarkt entzogen oder steht zusätzlich zur Verfügung.

Finanzen

Das Thema Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Finanzsituation von Kommunen bzw. den betrachteten Gebietskörperschaften ist sehr komplex.

Die zwei eingestellten Demographiefaktoren „EW-Entwicklung” und „Altersstrukturaufbau” verändern die fiskalische Situation einer Gebietskörperschaftseinheit in vielen Bereichen. Der Verlust an Einwohner bedeutet geringere Einnahmen, u.a. bei der Schlüsselzuweisung B.1, den EK-Steueranteile, der Kaufkraftquote, den Umsatzsteueranteile und den Beiträge/Gebühren für Infrastruktur. Die „Überalterung” führt u.a. zu einem Überbestand an Einrichtungen im Kind- und Jugendbereich und einem Fehlbedarf bzw. Anpassungen von Einrichtungen für ältere Menschen. Aus diesem komplexen Finanzsystem werden exemplarisch nur die Veränderungen bei den Einkommenssteueranteilen ermittelt, da diese Werte auf Ebene der kreisfreien Städte und Landkreise komplett vorliegen und mit einem Anteil von 15 % am Gesamtaufkommen direkt den Kommunen zufließen. Unberücksichtigt bleiben bei dieser Berechnung die demographischen Altersverschiebungen, die einen zusätzlichen Rückgang der Einkommenssteueranteile bewirken, da aufgrund von Freibeträgen bei den Rentenzahlungen der Kreis von Personen, die keine oder eine geringere Einkommenssteuer zahlen, steigt. Basis für die Berechnung sind die Werte des statistischen Landesamtes im Jahr 2014.

Infrastruktur

Infrastruktur - Soziales - Pflege

Die Pflegewahrscheinlichkeit steigt ab einem Alter von > 80 Jahre deutlich an, so dass in der Berechnung dieser Altersgruppe der bis zum Jahr 2035 einzuplanende Gesamtbedarf an vollstationären Pflegeplätzen über alle Altersklassen zugeordnet wird. Dazu werden statistische Grundlagen des Bundes und Landes Rheinland-Pfalz herangezogen. Vom Land werden alle zwei Jahre Pflegestatistiken erstellt, die einen Status Quo Zustand von Pflegeinrichtungen und Pflegegeldempfänger/-innen bis zur Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte abbilden, Prognosen werden keine getroffen. Die aktuellen Ergebnisse der Pflegestatistik 2015 können abgerufen werden unter:
http://www.statistik.rlp.de/fileadmin/dokumente/berichte/K/2013/K2013_201501_2j_K.pdf

Auf Bundesebene liegt die Pflegequote bei Senioren > 80 Jahre bei 31,2%, bei Personen zwischen 60 und 80 Jahre liegt dieser Wert nur bei 5,1%. Nach der Bundespflegestatistik betrug im Jahr 2013 der Anteil vollstationär in Heimen untergebrachter Personen, die > 80 Jahre alt waren 12,1% (von 4,36 Mio. Personen > 80 Jahren wurden 0,526 Mio. vollstationär versorgt). Gegenüber dem Jahr 2011 ist dieser Wert auf Bundesebene um 2,9% (absolut um 21.000), gegenüber dem Jahr 1999, um beachtliche 35,8% (absolut 202.000) gestiegen.

Empirische Berechnungsmethoden zur Ermittlung des Bedarfs an vollstationären Pflegeplätzen über alle Altersklassen gehen von folgenden Werten aus: Rund 51% der Personen > 80 Jahren werden mit einer Pflegestufe 1-3 (ab 2017 Umstellung auf 5 Pflegegrade) angesetzt und von diesem Anteil wird angenommen, dass rund 30% auf eine vollstationäre Heimpflege angewiesen sind.

Im Jahr 2013/2014 waren auf Bundesebene 4.359.581 Personen > 80 Jahre und insgesamt - über alle Altersklassen - 2.568.936 Personen in einer Pflegestufe 1-3. Dies entspricht einem (fiktiven) Anteil von 59%. 750.884 Personen (= 29,2%) waren vollstationär untergebracht.

Im Jahr 2013 waren in Rheinland-Pfalz 224.421 Personen > 80 Jahre und nach der Pflegestatistik 2013 waren über alle Altersklassen 117.910 Personen in einer Pflegestufe 1-3. Dies entspricht einem (fiktiven) Anteil von 52,5 %. 34.089 Personen (= 28,9 %) waren vollstationär untergebracht.

Damit lassen sich diese empirischen Berechnungsmethoden für die praktische Anwendung zur Ermittlung des künftigen Gesamtbedarfs belegen

Dabei ist jedoch zu beachten, dass sich die aktuelle Situation der durchschnittlich in Pflegeheimen betreuten Pflegebedürftigen in den Landkreisen und kreisfreien Städten unterschiedlich darstellt. In Rheinland-Pfalz lag im Jahr 2015 der Durchschnitt bei 9 Pflegebedürftigen pro 1.000 EW, der höchste Wert verzeichnete mit 14 die Stadt Koblenz und den niedrigsten die Landkreise Alzey-Worms und Kaiserslautern mit 6 Pflegebedürftigen pro 1.000 EW.

Wie stark die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen steigt, zeigt der Vergleich zwischen der Pflegestatistik 2013 und 2015. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl der Pflegebedürftigen im Land von 117.910 auf 132.283 Personen an (+ 12,2 %).

Der bei der Altersgruppe > 80 Jahre angegebene Bedarfswert bezieht sich daher auf den Gesamtbedarf aller Altersgruppen, wird jedoch aus den dargelegten Gründen nur dieser Altersgruppe zugeordnet

Die errechneten Bedarfswerte, die bis zur Ebene der Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden angegeben werden, dienen nur der Orientierung und Sensibilisierung für einen generellen Anstieg der Zahl von Pflegebedürftigen, die auch einen Mehrbedarf an vollstationären Pflegeplätzen erzeugt. Für die untersten, hier abgebildeten Gebietskörperschaften sind diese Werte auch vor dem Hintergrund veränderten Pflegeformen interessant. Aktuell werden vom Land kleinere Wohn- und Pflegegemeinschaften insbesondere im Ländlichen Raum gefördert (vgl. dazu „WohnPunkt RLP – gut versorgt auf dem Land“). Im Westerwald gibt es die größte Anzahl von umgesetzten Wohn-Pflegegemeinschaften.

Einzelhandel

Kaufkraft Einzelhandel

Die Veränderung der Kaufkraft durch Veränderung der Bevölkerungszahl hat insbesondere im Bereich des Einzelhandels Folgen für die Tragfähigkeit von Geschäften und der Versorgungsqualität der Bevölkerung. Innerhalb den unterschiedlichen Sortimentsgruppen wirken sich Kaufkraft- und Angebotsveränderungen vor allem im Bereich der (täglichen) Grundversorgung aus. Zur Grundversorgung zählen die Sortimentsgruppen Nahrungs- und Genussmittel, Gesundheit und Pflege sowie Bücher und Schreibwaren.

Die Kaufkraft beim Einzelhandel wird in Euro pro Person und Jahr angegeben. In Rheinland-Pfalz lag der Durchschnittswert im Jahr 2014 bei 5.602 Euro/Pers./a. Regional gibt es Standardabweichungen nach oben und unten. So lag der Wert z.B. in Montabaur bei 6.016,- Euro, in der Stadt Zweibrücken bei 5.252,- Euro. Die Ausgaben für die Grundversorgung betragen rund 50% der gesamten Kaufkraft im Einzelhandel, d.h. rund 2.800,- Euro/Pers. Und Jahr. In der Berechnung wird ein Wert von nur 5.000,- Euro/Pers./a angenommen, da mit diesem reduzierten Wert der demographische Faktor berücksichtigt werden soll. Betrachtet man die Kaufkraft nach Altersklassen, so ist festzustellen, dass die Kaufkraft der Personen aus den der Altersklasse zwischen 30 bis 60 um rund 20% höher liegt als der Wert von Personen im Alter > 60 Jahren. Da bis zum Jahr 2035 vor allem der Anteil von Personen aus dieser Altersgruppen in allen Gebietskörperschaften ansteigen wird, ist von einem Rückgang der durchschnittlichen Kaufkraft auszugehen. Weiterhin werden voraussichtlich die Umsätze des stationären Einzelhandels insbesondere im Non-Food Bereich zurückgehen, da Einkäufe zunehmend im Internethandel getätigt werden.

Verkaufsfläche Einzelhandel

Die zur Verfügung stehende Kaufkraft bestimmt das Angebot und die Tragfähigkeit von einzelhandelsrelevanter Verkaufsfläche. Dabei hängt die Größe der Verkaufsfläche von der Flächenproduktivität ab. Die Flächenproduktivität gibt den Jahresumsatz an, der von einen Quadratmeter Verkaufsfläche im Durchschnitt erzielt wird. Die Flächenproduktivität ist stark Branchenabhängig und lag beim Einzelhandel im Durchschnitt auf Bundesebene - je nach Quelle - zwischen rund 3.100,- und 3.500 Euro. Die durchschnittliche Flächenproduktivität bei den Lebensmittel- und Discountmärkten liegt mit rund 5.000,- Euro höher. Spitzenreiter ist Aldi-Süd mit einer Flächenproduktivität von 7.900,- Euro/qm VKF/a im Jahr 2012.

Als Wert für die Flächenproduktivität werden in die Berechnung 3.000,- Euro eingestellt. Mit diesem relativ geringen Wert soll im Sinne einer unteren Variante auf die Entwicklung von (großflächigen) Einzelhandelsflächen, die im Rahmen der Bauleitplanung im Aufgabenbereich der Kommunen liegt, besonders aufmerksam gemacht werden, um künftig Überangebote und somit Geschäftsleerständen vorzubeugen.

Wasserversorgung

Die Träger der Wasserversorgung sind nach §46 Landeswassergesetz die kreisfreien Städte, Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden. Wegen dieser eindeutigen gebietskörperschaftsbezogenen Zuständigkeit wird aus dem Bereich der Ver- und Entsorgung auch nur dieser Versorgungsstrang betrachtet. Denn in der Regel übernehmen diese Gebietskörperschaften auch eigenständig die Wasserversorgung und übertragen nur selten ihre Zuständigkeit auf (private) Unternehmen. Für die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme oder Telekommunikation ist Lage anders. Hier agieren eine Vielzahl von Anbietern auf dem Markt, die in der Regel auch keinen regionalen oder lokalen Bezug haben.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag in Rheinland-Pfalz im Jahr 2010 bei 119 Liter/Person und Tag. Dabei schwanken die Durchschnittwerte zwischen 131 Liter in den Städten und 115 Litern in den Landkreisen. Die Entwicklung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs ist rückläufig, im Jahr 1983 lag der Wert noch bei 142 Liter/Person und Tag. Der Rückgang begründet sich vornehmlich aus verbesserter Technik zur Wassereinsparung. Der Berechnung liegt ein relativ hoher Wert von 125 Liter/Person und Tag zugrunde, um insbesondere in den Landkreisen, die überwiegend von Schrumpfung betroffen sind, stärker zu sensibilisieren.

Wohnen

Bei der Ermittlung des veränderten Wohnraumbedarfs im Betrachtungszeitraum werden drei Fallgruppen unterschieden, die nachfolgend erläutert werden:

Fallgruppe A:

Modellannahme: Einwohnerzahl und Belegungsdichte werden steigen oder gleichblieben
Es wird in dieser Fallgruppe unterschieden zwischen zwei Werten.
  1. Bedarfswert (Neubedarf an Wohnungen): Dieser Wert gibt an, wieviel Wohnungen (WE) aufgrund einer im Vergleichszeitraum prognostizierten Zunahme der Bevölkerung im Zieljahr (zusätzlich) benötigt werden. Die Anzahl der erforderlichen Wohnungen beziehen sich ausschließlich auf die Anzahl der neu zu erwartenden Einwohner. Als Belegungsdichte wird der Wert im Zieljahr festgelegt, der sich aus der linearen Fortschreibung der Entwicklung der Belegungsdichte zwischen den Jahren 2000 und 2035 ergibt. Dabei ist davon auszugehen, dass gerade beim Neubedarf das Segment von Eigenheimen und größeren Wohnungen für junge Familien zu beachten ist.
  2. Anpassungswert (Anpassungs- Veränderungspotential an Wohnungen): Dieser Wert, der sich ausschließlich auf die Einwohnerzahl im Basisjahr bezieht, gibt an, wie hoch die Anzahl der Wohnungen ist, die sich durch eine Veränderung der Belegungsdichte der Einwohner im Basisjahr 2013 bis zum Zieljahr ergibt. Es ist ein Differenzwert zwischen dem Wohnungsbestand im Basisjahr 2013 und dem Zieljahr 2035. Mit dieser Darstellung soll die Dimension der Wohnungsanzahl zum Ausdruck gebracht werden, die insbesondere als Orientierungsgröße durch Anpassung des Bestandes im Rahmen der baulichen Innenentwicklung bereitgestellt werden kann. Wenn die Belegungsdichte weiter steigen wird, dann würde dies rechnerisch, d.h. quantitativ bedeuten, dass Wohnungen freiwerden und auf den Neubedarf angerechnet werden kann. Diese Entwicklung hängt von verschiedenen Marktmechanismen ab (z.B. Entwicklung von Mieten, Kaufpreisen, Anteile von Altersgruppen nach Haushaltsgrößen, Anteil der Wohnungen nach Wohnungsgrößen am Markt, Anteil von Ersatzbedarf aufgrund von Umnutzung oder Unbewohnbarkeit).

Fallgruppe B

Modellannahme: Einwohnerzahl wird steigen, Belegungsdichte wird abnehmen
  1. Bedarfswert (Neubedarf an Wohnungen): Dieser Wert gibt an, wieviel Wohnungen (WE) aufgrund einer im Vergleichszeitraum prognostizierten Zunahme der Bevölkerung im Zieljahr (zusätzlich) benötigt werden. Die Anzahl der erforderlichen Wohnungen beziehen sich ausschließlich auf die Anzahl der neu zu erwartenden Einwohner. Als Belegungsdichte wird der Wert im Zieljahr festgelegt, der sich aus der linearen Fortschreibung der Entwicklung der Belegungsdichte zwischen den Jahren 2000 und 2035 ergibt. Dabei ist davon auszugehen, dass auch hier das Segment von Eigenheimen und größere Wohnungen für junge Familien im Angebot zu bedienen sein wird.
  2. Anpassungswert (Anpassungs- Veränderungspotential an Wohnungen): Dieser Wert, der sich ausschließlich auf die Einwohnerzahl im Basisjahr bezieht, gibt an, wie hoch die Anzahl der Wohnungen ist, die sich durch eine Veränderung der Belegungsdichte der Einwohner bis zum Zieljahr 2035 ergibt. Es ist wie in Fallgruppe A ein Differenzwert zwischen dem Wohnungsbestand im Basisjahr 2013 und dem Zieljahr 2035. Mit dieser Darstellung soll die Dimension der Wohnungsanzahl zum Ausdruck gebracht werden, die insbesondere als Orientierungsgröße durch Anpassung des Bestandes im Rahmen der baulichen Innenentwicklung bereitgestellt werden kann. Wenn die Belegungsdichte weiter abnehmen wird, dann würde dies rechnerisch, d.h. quantitativ bedeuten, dass für die gleiche Zahl der Einwohner, die im Jahr 2013 verzeichnet wurden, im Zieljahr mehr Wohnungen benötigt werden und zusätzlich zum Neubedarf zu berücksichtigen sind. Ob für diesen zahlenmäßigen Mehrbedarf an Wohnungen zusätzlich neue Wohnungen zu bauen sind, hängt vom mobilisierbaren Potential an Wohnungen und auch Leerständen ab, die in der Größe und Ausstattung den künftigen Bedarfen angepasst werden können. Denn der Mehrbedarf wird sich vornehmlich aus gegenüber dem Bestand kleineren und mehr seniorengerechten Wohnungen rekrutieren.

Fallgruppe C

Modellannahme: Einwohnerzahl und Belegungsdichte werden sinken
In dieser Fallgruppe wird nur ein Wert angegeben:
  1. Anpassungswert (Anpassungs- Veränderungspotential an Wohnungen): Dieser Wert, der sich ausschließlich auf die (gesunkene) Einwohnerzahl im Zieljahr 2035 bezieht, gibt an, wie hoch die Anzahl der Wohnungen ist, die sich aus dem Verlust an Einwohnern einerseits und der Veränderung der Belegungsdichte der Einwohner andererseits ergeben. Er ist ebenfalls ein Differenzwert zwischen dem Wohnungsbestand im Basisjahr 2013 und dem Zieljahr 2035. Mit dieser Darstellung soll die Dimension der Wohnungsanzahl zum Ausdruck gebracht werden, die insbesondere dann entstehen kann, wenn keine aktive und konsequente Mobilisierung, Bereinigung und Anpassung des Bestandes im Rahmen der baulichen Innenentwicklung betrieben wird. Da bei der Annahme einer linearen Fortschreibung des Rückgangs der Belegungsdichte deutlich wird, dass diese prozentual z.T. wesentlich höher ist als die Einwohnerverluste, steht hier das Immobilienmanagement vom Wohnungsbestand im absoluten Fokus. Denn der drastische Rückgang der Belegungsdichte, der auch in der Vergangenheit nicht proportional zum Rückgang der Bevölkerungszahl verlief, ist ein Alarmzeichen dafür, dass die Anzahl an Leerständen, stark extensiv genutzten oder durch Sanierungsstau und schlechten Objekteigenschaften unbewohnbaren Eigenheimen und Wohnungen weiter steigen wird. Das Angebot an verfügbarem und qualitativ nachgefragtem Wohnraum auf dem Markt nimmt ab. Diese Entwicklung kann in der Folge auch dazu führen, dass die Nachfrage quantitativ und qualitativ nicht mehr bedient werden kann. Trotz einem theoretisch großen Mengenangebot an Wohnraum finden Zielgruppen keinen passenden Wohnraum und die Abwärtsspirale der Entleerung beschleunigt sich.

    Verhältnis zu den verbindlichen Schwellenwerten der Raumordnung:

Die Raumordnung in Rheinland-Pfalz legt gemäß dem Ziel 32 im Landesentwicklungsprogramm IV fest, dass in den regionalen Raumordnungsplänen Schwellenwerte zur weiteren Wohnbauflächenentwicklung verbindlich vorzugeben sind. Diese Werte sind im Rahmen der Flächennutzungsplanung einzuhalten und beziehen sich ausschließlich auf die weitere, zulässige Außenentwicklung in Abhängigkeit zum vorhandenen Außen- und Innenentwicklungspotential als Ergebnis des Landesprojektes Raum+.

Die Werte, die im „Leerstandsrisiko-Rechner Rheinland-Pfalz“ ermittelt werden, verfolgen einen anderen Zweck. Mit den errechneten Orientierungswerten soll die Dimension bei der Veränderung des quantitativen, aber auch qualitativen Wohnraums offengelegt werden, um vor allem Rückschlüsse für den Umgang mit dem Bestand zu ziehen. Es soll ein Anreiz gegeben werden, die Balance zwischen Angebot und Nachfrage durch effiziente (Aus-)Nutzung des Bestandes in Zukunft zu gewährleisten.